Ip Ching- über seinen Vater Ip Man

Mein Vater, Ip Man

Von GM Ip Ching

Über das Leben von GM Ip Man, geschrieben von seinem Sohn, Ip Ching

Mein verstorbener Vater, Meister Ip Man, trieb die Kunst des Wing Chun energisch voran, nachdem er 1949 nach Hongkong kam. In kürzester Zeit von etwa 22 Jahren (1950-1972) erblühte Ving Tsun in Hongkong, Macau und Taiwan. Mehr noch,  wurde der Samen über alle Kontinente versprüht und es wurden solide Grundsteine in allen großen Ländern der Welt gelegt. Im Laufe seines Lebens wurden exzellente Schüler ausgebildet, wie Leung Sheung, Ip Bo-Ching, Chiu Wan, Bruce Lee, Lok Yiu, Tsui Sheung Tin, Wong Shun Leung und Ho Kam Ming und sie übernahmen die Aufgabe und Wunsch ihres Meisters das Wing Chun weiter zu entfalten.

Daher wurde er von seinen Schülern hoch geachtet und als er starb, preisten Sie Ihn einstimmig als den „Meister des Wing Chun“.
Mein Vater war in seinem ganzen Leben bescheiden und überaus bedacht. Er hätte niemals für sich in Anspruch genommen „der Meister des Wing Chun“ oder der „Älteste“ der Schule zu sein“. Ich erwähne dies als Hinweis und Warnung an die Schülerkammeraden, die darin konkurierten, der der neue Schulleiter zu sein. Mein
Vater hätte diesen Titel wohl ohne Verlegenheit annehmen können.

Mein Vater wurde in Foshan gebohren, am Ende der Ching Dynasty. Foshan war
als  blühenste Region im Zheyieng Delta von Guangong bekannt und ein wichtiger Wirtschaftsknoten für den Land- und Seetransport. Seit jeher wurde es als einer der historischsten Orte von China bezeichnet, zusammen mit Jingde, Thuxian und Hankiou. Industrie und Handel, insbesondere das Handwerk, blühte überall und die Bürger führten ein gutes Leben in Wohlstand.Daraus erfolgte, daß Kunst und Kultur sich voll entwickeln konnte, wobei die Kampfkunst einen großen Stellenwert in der traditionellen Kultur Chinas darstellte. Der Trend, Kampfkunst zu lernen war sehr weit verbreitet. Bekannte Meister des Süd-Schule (South- Shaolin), darunter Wong Fai Hung, Cheung Hung-Shing, Leung Chan, Leung Siu Ching kamen aus Fatshan. Meister Ip wurde in dieser Zeit gebohren und er war extrem versessen auf Kampfkunst. Durch sein Talent und die Beharrlichkeit, sowie aufgrund des Unterrichts berühmter Lehrer (Chan Wa Shun und später Leung Big) konnte man sich seinen Leistungsstand leicht vorstellen.
I kam 1962 nach Hongkong und folgte meinem Vater Erlernen der Kampfkunst. Daraufhin assistierte ich beim Training in der Schule, bis er 1972 von uns ging. Ich habe viel von seiner Art zu lernen mitbekommen.

Nun am hundertsten Jahrestag seit Ip mans Geburt, möchte ich ein paar Dinge weitergeben, die ich von der Art zu unterrichten verstanden habe, in der Hoffnung, daß alle Wing Chun Schüler daraus lernen und sich darüber Gedanken machen.
Der Meister legte großen Wert auf die Auswahl nach Talent. Er sagte immer:
„Zweifellos ist es schwierig für einen Schüler, den richtigen Meister auszuwählen, aber es ist noch viel schwieriger für den Meister, einen Schüler auszuwählen.“
Es war ungeheuer wichtig, daß man als hauptberuflicher Kung Fu Lehrer eine solche Einstellung hatte. Dies bedeutete, daß er eine seriöse Haltung gegenüber seinen Schülern hatte sowie Verantwortung denen gegenüber, die er unterrichtete.
Während seines gesamten lebens hatte er kein einziges Reklameschild aufgehängt oder eine Reklame inseriert. Der Zweck dafür war sich das Recht vorzubehalten, die Schüler aktiv auszuwählen. Dieses Prinzip hat er all die 20 Jahre eingehalten. Dies war sehr anerkennenswert für jemanden, der mit dem Unterricht sein Leben bestritt.

Wing Chun is praktikabel, einfach und direkt ohne zierende Techniken. Der Meister legte großen Wert auf die Basis, die Grundausbildung seiner Schüler. Wenn er die Sil Lim Tao lehrte, mußte man erst lernen, wie man die Hüfte einsetzt, die richtige Kraft verwendet und einen guten Stand entwickelt, egal wie lange es dauerte. Ein neues Thema wurde erst gelehrt, wenn der Schüler beweisen konnte, daß er die Voraussetzungen dafür erfüllte.

Eine weitere Charakteristik seiner Art zu Unterrichten war, den Schüler nach seiner
Eignung auszubilden. Er analysierte zunächst gründlich die Mentalität, den Charakter, körperliche Fitness, Statur, Bildungsstand, kultureller Hintergrund und das Aufnahmevermögen. Danach zeigte er Wege und Hilfsmittel entsprechend der individuellen Bedürfnisse um sicherzustellen, so daß jeder Schüler die Lehre auf seine Weise aufnehmen konnte. In den Kursen legte er viel Schwerpunkte im Sparring und des freien Kampfes. Zweck dafür war, daß die Schüler das Vertrauen und die Liebe für das Wing Chun stärkten, sowie die Prinzipien der Hand und Dummyformen zu vertiefen.

Neben den Errungenschaften aus dem Wind Chun, erhielt der Meister eine höhere Bildung in seiner Jugend. Darüberhinaus saugte er regelrecht moderne Wissenschaftliche Erkenntnisse auf. Daher konnte er die Gesetzmäßigkeiten im Wind Chun auf der Grundlage der Mechanik und der mathematischen Logik erklären.

Der Meister konnte sogar nicht intelligibele Ausdrücke wie „die fünf Elemente“ und die „acht Diagramme“ , sowie „die Gegensätze“ aufgeben und reduzieren, die eigentlich aus der Methaphysik stammen. Dies half zur Aufklärung der Kampfkunst und war ebenfalls ein Geheimnis seines Erfolges.

Meister Ip Man hat nie selbst Dinge behauptet, und verabscheute sogar Leute, die angaben, daß sie einem Genie begegnet sind und außergewöhnliche Fähigkeiten oder einzigartige Techniken von Ihm erhalten haben, um damit Schüler zu Täuschen und sich hervorzuheben. Er dachte, daß solche Leute kein Vertrauen in Ihre Kunst haben können und die Regeln der Kampfkunst nur oberflächlich verstanden haben. Solche Typen wollen nur Leuten Respekt einjagen, indem sie diese fadenscheinlichen Geschichten auftischen. So jemand ist zum scheitern veruteilt, sagte er, der von solch minderbemittelten Lehrmethoden gebrauch machen muß.
Die Geheimnisse der Lehre Ip Mans sind nicht auf die oben genannten Punkte beschränkt. Ich hoffe dass die Gemeinschaft der Schüler in Zukunft noch mehr dieser bedeutenden Punkte aufklären können. – Ip Ching